Havarie der „Maersk Honam“

Titelbild Bildquelle:pixabay.com

Containerschiff „Maersk Honam“ mit 7860 TEU an Bord ist am 06.03.2018 im Indischen Ozean in Seenot geraten.
Was muss ich als Ladungsinteressent oder Spediteur jetzt beachten?

Im Laderaum der erst im August 2017 in Dienst gestellten „Maersk Honam“ mit einer Kapazität von 15.262 Standard-Containern ist aus bislang unbekannten Gründen ein Feuer ausgebrochen. Zudem soll sich eine Explosion ereignet haben. Das Unglück hat bislang leider 5 Seeleuten von insgesamt 27 Schiffsbesatzungsmitgliedern das Leben gekostet. Nach jüngsten Berichten vom 11.03.2018 soll das Feuer unter Kontrolle gebracht worden sein. Aufgrund der Bilder muss aber mit einem beträchtlichen Verlust an Containern, die sich vor dem Unterkunftstrakt des Schiffes befunden haben, gerechnet werden.Die dänische Reederei Maersk hat dem Vernehmen nach zwischenzeitlich die Große Haverei (Avarie Grosse, General Average), auch Havarie Grosse genannt, erklärt und Richards Hogg Lindley in Liverpool als Average Adjuster benannt. Die Rettungsmaßnahmen dauern noch an. Das genaue Ausmaß des Schadens am Schiff und Ladung wird sich erst nach dem Verbringen des Schiffes in einen Nothafen feststellen lassen.

Was bedeutet Große Haverei?

Ein in Seenot geratenes Schiff kann durch überlegtes Handeln des Kapitäns gerettet werden. Wenn aufgrund der außergewöhnlichen Umstände bewusst Schäden bzw. Kosten in Kauf genommen werden, um Schiff und Ladung aus einer gemeinsamen Gefahr zu retten, liegt die so genannte Große Haverei vor. Geregelt wird die Große Haverei auf nationaler Ebene im Handelsgesetzbuch (HGB) in den Paragraphen 588 bis 595 sowie international in den York/Antwerp-Rules. Beim Abschleppen des Schiffs oder durch den Verlust bei geopferten Gütern entstehen erhebliche Kosten, für die alle an dem Seetransport beteiligten Parteien im Verhältnis zu den geretteten Waren haften. Auf die Unternehmen können so Ansprüche bis zur Höhe des eigentlichen Warenwertes zukommen – insbesondere dann, wenn die eigene Ware unbeschadet am Zielort angekommen ist oder am Nothafen gelöscht wurde.

Was bedeutet die Große Haverei der „Maersk Honam“ für die Ladungsinteressenten und Spediteure sowie deren Versicherungsschutz?

Der Reederei Maersk steht infolge der Großen Haverei ein Pfandrecht an der Ware zu und sie kann und wird die unbeschädigte Ware so lange zurückhalten, bis der Eigentümer seinen Kostenanteil an der Großen Haverei bezahlt hat. Besteht eine Transportversicherung, wird durch die Versicherungsgesellschaft per Havarie-Grosse-Verpflichtungsschein (Average Guarantee) sichergestellt, dass der Kostenanteil übernommen wird. Ist das Gut nicht versichert, muss in der Regel bar bezahlt werden (Cash deposit).

Haftung des Spediteurs?

Die genaue Schadenursache ist derzeit nicht bekannt, so dass aus unserer Sicht Spekulationen momentan fehl am Platze sind. Ob eine Haftung des Spediteurs denkbar ist, hängt von vielen Faktoren ab.

Wie verhalte ich mich im Schadenfall?

  • Verlust eines oder mehrerer Container
    Hierbei handelt es sich um einen Totalverlust, der den betroffenen Versicherern unverzüglich zu melden ist. Bitte reichen Sie deren Vordrucke an den Wareninteressent (Average Bond) zur Zeichnung bzw. an den Versicherer (Insurers’ Average Guarantee) ein. Ferner benötigen die Versicherer die Handelsrechnung und alle entsprechenden Unterlagen wie Ladeliste, Bill of Lading (MBL + HBL), Verkehrsvertrag. Die zuständigen Versicherer werden nach Sichtung der Schadenmeldung und der entsprechenden Unterlagen in die Prüfung der Haftung und Deckung eintreten.
  • Die geretteten Container
    Für die Güter, die unter Umständen noch zu retten sind, haftet der Eigentümer bis zum “Gesundwert” seiner transportierten Ware für die Rettung von Schiff und Ware. Die Warentransportversicherung gewährt auch hierfür Versicherungsschutz. Die Versicherung bestätigt gegenüber dem Average Adjuster den entsprechenden Versicherungsschutz, aufgrund dessen in der Regel die Ware freigegeben wird. Die anteiligen Rettungskosten begleicht der Versicherer nach Abschluss des nicht selten mehrjährigen Verfahrens. Hierzu ist es besonders wichtig, dass dem Versicherer so schnell wie möglich die entsprechenden Dokumente des Average Adjuster (s.o.) weitergeleitet werden, sobald diese vorliegen. Es gelten die Grundregeln der Schadensmeldung an den Versicherer: am besten gleich und unverzüglich den Schaden melden, auch wenn noch nicht alle Einzelheiten bekannt sind. Alle wichtigen Unterlagen anfordern, Informationen sicherstellen und der Meldung beifügen. Haftbarhaltungen gegenüber den eingesetzten Verkehrsträgern aussprechen und Nachweise sichern.

Empfehlung:

Dieses Beispiel zeigt, dass jeder Seetransport die Gefahr der Havarie Grosse in sich birgt. Es empfiehlt sich unbedingt eine Warentransportversicherung abzuschließen, die die Havarie Grosse mitversichert, z.B. mit dem SCHUNCK WorldCover-Plus.

Für Fragen zu diesem Thema stehen Ihnen unsere Kundenberater gerne zur Seite.

gez.
Matthias Kressmann
Stephan Rieß

 

 

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